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Der Landes-Caritasverband für Oldenburg geht mit der Kampagne „Wir ist größer als ich / Wir > Ich“ ab dem 10. Mai an die Öffentlichkeit. Ziel ist es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und zu fördern.

Was hat uns bewegt?

Als eines der größten Probleme unserer Zeit wird das Schwinden des gesellschaftlichen Zusammenhalts wahrgenommen. Kaum eine Rede von Entscheidungsträgern in Deutschland, in der dieser Begriff nicht auftaucht (z. B. erstes Interview des CDU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus am Abend seiner Wahl; Neujahrsansprache der Kanzlerin 2018/2019). Google nennt 2,6 Millionen Treffer in der losen Kombination der Worte gesellschaftlicher Zusammenhalt. Google Trends zeigt, welche Relevanz der Begriff entwickelt hat.

Obwohl das Wortpaar selten näher definiert wird, spürt jeder, dass das Fehlen des gesellschaftlichen Zusammenhalts an den Grundfesten des Systems und der Demokratie insgesamt rüttelt.

Beispiele:

Zunehmend kommt es in den letzten Jahren zu Polarisierungen, zur Bildung von Gräben innerhalb von Familien, Städten oder der Gesellschaft insgesamt. Die Art der Diskussionen um ein Tempolimit, den Wolf oder nur das Fällen von Bäumen vor Ort nehmen Ausmaße an, die durch nichts gerechtfertigt werden können. Der Ton macht die Musik!

Wenn bei populistischen Demonstrationen in Ost und West inzwischen nicht mehr Dinge kritisiert, sondern Personen an den Pranger gestellt oder gar mit einem Galgen gezeigt werden, ist eine Grenze weit überschritten. Wenn Antisemitismus wieder salonfähig wird, ist der Schritt zur Abwertung von Menschen mit Behinderung, anderem Geschlecht oder anderer sexueller Orientierung ebenfalls nicht mehr weit. Einzelne (Gruppen) stellen sich über andere und machen sich und ihre scheinbaren Lösungen zum Maß aller Dinge. Längst haben sie das Gespräch miteinander aufgegeben und sprechen nur noch übereinander.

Was bedeutet gesellschaftlicher Zusammenhalt positiv formuliert?

Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist das „Schmiermittel einer Gesellschaft“, der Kitt, der alles zusammenhält. Es gilt der Satz des früheren Verfassungsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde, wonach der säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht schaffen kann. Oder anders gesagt: Der Staat ist darauf angewiesen, dass die Bürgerinnen und Bürger über bestimmte ethische Grundhaltungen verfügen – sonst wäre er bald kein freiheitlicher Staat mehr. Er ist darauf angewiesen, dass die Bürger sich gemeinschaftsorientiert und solidarisch verhalten, so dass es einen gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt.

Ähnliche Begriffe sind „Wir-Gefühl“ oder – wie der Soziologe Ralf Dahrendorf es nennt – ein „Sense of belonging“.

Was wollen wir mit der Kampagne erreichen?

Wir wollen anstoßen, über die aktuelle Situation nachzudenken.
Wir wollen Haupt- und Ehrenamtliche anregen, sich im Wir zu engagieren.
Wir wollen klarstellen, dass das Gemeinsame wertvoller ist, glücklicher macht als eine sich einigelnde Wagenburgmentalität. Dabei geht es uns nicht um einfache Antworten oder einfache Lösungen.

Wenn jedoch solche Grundlagen fehlen, fehlt irgendwann auch die Motivation, beispielsweise einen sozialen Beruf zu ergreifen.

Wir wollen damit ein Stück Orientierung geben in einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft in einer ‚Orientierungskrise‘ steckt (Hans Joachim Meyer). Wir wollen einladen und anstiften zu Begegnung und Beziehung – für uns die Schlüssel für den Erhalt des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Über eine breite Beteiligung und Unterstützung der Kampagne, die im Kern von der Caritas Österreich in Zusammenarbeit mit der Agentur Jung von Matt entwickelt wurde, würden wir uns sehr freuen. Für Rückmeldungen und Hinweise sind wir dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gerhard Tepe
Caritasdirektor

Hon. Prof. Dr. Martin Pohlmann
Stellvertr. Caritasdirektor

Dietmar Kattinger
Pressereferent

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